In einem aktuellen Bericht sagen die Analysten von Barclays, dass Griechenland kurz davor steht, einen „dritten wirtschaftlichen Megazyklus“ zu erleben. Einfach gesagt heißt das, dass Griechenland vor einer Phase des Wirtschaftswachstums steht, ähnlich wie Ende der 1990er Jahre, nachdem es 1992 den Maastricht-Vertrag unterschrieben hatte.

Andere bekannte Leute scheinen dem zuzustimmen:
Die griechische Wirtschaft „hat ein neues Kapitel aufgeschlagen“, so der griechische Finanzminister Christos Staikouras.
Der EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni meinte, dass das Wachstum Griechenlands 2023 „doppelt so hoch wie der Durchschnitt der Eurozone“ sein soll.
Rückblick auf das Jahr 2010:
Vor nur zehn Jahren lag das S&P-Rating (ein internationales Rating, das die Sicherheit von Investitionen in einem anderen Land bewertet) für Griechenland bei SD. SD steht für „Standard Default“ (Standardausfall), und 2012, auf dem Höhepunkt des wirtschaftlichen Abschwungs, war das keine gute Nachricht.
Seitdem hat Griechenland einen langen Weg zurückgelegt und ist fast wieder in der Kategorie „Investment Grade“ angekommen.

Was bedeutet „Investment Grade”?
Ein Investment-Grade-Rating bedeutet, dass institutionelle Anleger, von denen viele aus dem Ausland investieren, die Möglichkeit haben, in Wertpapiere (z. B. Anleihen, Aktien usw.) zu investieren. Große Pensionsfonds und Versicherungen können wieder wie vor der Krise in die griechische Wirtschaft investieren.
Für Griechenland bedeutet das günstigere und stabilere Finanzierungsquellen für die Zukunft. Nicht nur die Regierung, sondern auch lokale Kreditgeber in Griechenland würden von günstigeren Kreditkosten profitieren.
Nur 70 Länder werden von S&P als „Investment Grade“ eingestuft.
Sinkende Verschuldung:
Gleichzeitig konnte Griechenland seine Schulden von 206 % des BIP vor der Pandemie auf heute 171 % senken.
Der Chef der Eurobank, Fokion Karavias, meint, wenn Griechenland den Investment-Grade-Status bekäme, wäre das „die größte Wende im europäischen Finanzsystem”.
Ist das auch in anderen europäischen Ländern so?
Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist der Aufschwung Griechenlands besonders auffällig. Das BIP wuchs 2021 um 8,4 Prozent und 2022 um 5,9 Prozent.
Bei Goldman Sachs, einer großen internationalen Investmentbank, sagen die Ökonomen, dass Griechenland in den nächsten zwei Jahren besser abschneiden wird als andere Länder der Europäischen Union.
Was hat diesen Aufschwung ausgelöst?
Exporte:
Dimitris Malliaropulos, Chefökonom der griechischen Zentralbank, nennt die Exporte die „größte Erfolgsgeschichte” des Landes. Zwischen 2010 und 2021 stiegen die Warenexporte um 90 Prozent, während sie im Euroraum insgesamt nur um 42 Prozent zunahmen.

Tourismus:
Der Tourismus ist mit einem Anteil von 20 % (ja, du hast richtig gehört) am BIP der größte Wirtschaftsfaktor Griechenlands. Vor kurzem hat er sich wieder erholt und erreichte 97 Prozent des Niveaus vor der Pandemie.
Immobilien:
Ausländer verbringen nicht nur ihren Urlaub in Griechenland, sondern kaufen auch Immobilien. Die Immobilienverkäufe an Käufer aus dem Ausland waren 2022 viermal so hoch wie 2007.
Trotzdem sieht es so aus, als würde Griechenland bald ein Investment-Grade-Rating bekommen. Das ist ein gutes Zeichen für die griechische Wirtschaft insgesamt und auch für ausländische Investoren in Griechenland.