Was bestimmt heute den Immobilienwert in Griechenland?
17.04.2026
Eva Karolidou

Es ist überraschend schwierig geworden, den tatsächlichen Wert einer Immobilie in Griechenland zu ermitteln. Nicht etwa, weil keine Nachfrage besteht – im Gegenteil, der Markt verzeichnet einen stetigen Aufschwung –, sondern weil „Wert“ in Griechenland kein einheitliches, stabiles Konzept mehr ist. Auf dem Papier sieht der Markt gesund aus. Nach Angaben der Bank von Griechenland stiegen die Preise für Wohnungen im Jahr 2025 um durchschnittlich 7,8 %, basierend auf vorläufigen Daten, die in ihrem Wohnimmobilienpreisindex für das vierte Quartal 2025 veröffentlicht wurden. Diese Gesamtzahl verschleiert jedoch erhebliche regionale Unterschiede. Allein im vierten Quartal 2025 stiegen die Preise in Athen um 5,9 %, in Thessaloniki um 8,0 %, in anderen Städten um 10,5 % und in anderen Regionen Griechenlands um 8,6 %, was verdeutlicht, wie ungleichmäßig die Preisdynamik im ganzen Land sein kann.
Marktwert versus objektiver Wert in Griechenland
Einer der Hauptgründe für diese Komplexität ist, dass in Griechenland nach wie vor zwei parallele Wertdefinitionen gelten. Zum einen gibt es den Marktpreis, also den Betrag, den ein Käufer zu zahlen bereit ist, und zum anderen den „objektiven Wert“ (αντικειμενική αξία), den der Staat für die Besteuerung heranzieht. Diese Werte werden anhand eines standardisierten Systems (klicken Sie hier für weitere Informationen) berechnet, das auf vom Finanzministerium festgelegten Zonenpreisen und Koeffizienten basiert. Im Idealfall würden sich diese beiden Wertmaßstäbe synchron entwickeln. In der Praxis ist dies jedoch oft nicht der Fall, weshalb die Regierung derzeit an einem stärker automatisierten und dynamischen System zur Ermittlung der objektiven Werte arbeitet. Dies führt zu einer Situation, in der eine Immobilie möglicherweise auf der Grundlage eines Wertes besteuert, aber auf der Grundlage eines anderen gekauft und verkauft wird, was sowohl für Käufer als auch für Eigentümer eine strukturelle Komplexität mit sich bringt.
Die Herausforderung zuverlässiger Immobiliendaten
Selbst wenn man sich rein auf den Marktwert konzentriert, sind die für die Bewertung verwendeten Daten nicht immer eindeutig. Griechenland hat durch digitale Instrumente wie das Register für Immobilienübertragungswerte und die Indizes der Bank von Griechenland Fortschritte bei der Transparenz erzielt. Diese Datensätze weisen jedoch spezifische Einschränkungen auf. So basiert beispielsweise der Wohnimmobilienpreisindex der Bank von Griechenland auf 957.800 von Kreditinstituten übermittelten Immobilienbewertungen, die eher geschätzte Marktwerte als endgültige Transaktionspreise widerspiegeln. Diese Unterscheidung ist von Bedeutung, insbesondere in einem Markt, in dem nicht alle Transaktionen mit einer Bankfinanzierung verbunden sind. Infolgedessen erfordert die Bewertung trotz verbesserter Datenverfügbarkeit nach wie vor eine Interpretation und kann sich nicht ausschließlich auf standardisierte Vergleichsobjekte stützen.
Rechtsstatus und Immobilienwert in Griechenland
Was Griechenland besonders auszeichnet, ist der starke Einfluss, den der rechtliche und technische Status einer Immobilie auf ihren Wert hat. Ein entscheidender Faktor ist die fortlaufende Entwicklung des griechischen Katasters, der die Registrierung und Kartierung von Eigentumsrechten im ganzen Land schrittweise abschließt. Gleichzeitig wurden Systeme wie die „Electronic Building Identity“ eingeführt, um sicherzustellen, dass die physischen Merkmale einer Immobilie mit den offiziellen Unterlagen übereinstimmen. In der Praxis bedeutet dies, dass der Preis einer Immobilie erheblich variieren kann, je nachdem, ob ihr Eigentumsrecht eindeutig ist, ob sie vollständig registriert ist und ob ihre bauliche Struktur den genehmigten Plänen entspricht. Zwei Immobilien, die identisch erscheinen, können daher unterschiedliche Werte aufweisen, sobald ihre rechtlichen und technischen Unterlagen geprüft werden.
Bauvorschriften und verborgene Unterschiede
Das Gleiche gilt für die bauliche Realität des Gebäudes. Im Laufe der Jahrzehnte haben sich bei vielen griechischen Immobilien kleine Abweichungen von den ursprünglichen Plänen angesammelt, wie beispielsweise geschlossene Balkone, zusätzliche Quadratmeter, Nutzungsänderungen oder informelle Umbauten. Diese sind weit verbreitet und erscheinen im Alltag vielleicht nicht als großes Problem. Aus Sicht der Wertermittlung spielen sie jedoch eine große Rolle. Ob diese Änderungen legal, regularisiert oder ungeklärt sind, kann sich direkt sowohl auf den Preis als auch auf die Verkaufbarkeit der Immobilie auswirken.
Warum ältere Immobilien schwieriger zu bewerten sind
Marktdaten zeigen eine deutliche Divergenz zwischen neuerem und älterem Wohnungsbestand. Nach Angaben der Bank von Griechenland stiegen die Preise für ältere Wohnungen im Jahr 2025 um durchschnittlich 8,1 %, verglichen mit 7,4 % bei neueren Einheiten. Dies spiegelt die starke Nachfrage nach etablierten Lagen wider, in denen sich ältere Immobilien typischerweise konzentrieren. Gleichzeitig weisen diese Immobilien tendenziell erhebliche Unterschiede hinsichtlich Zustand, Renovierungsgrad und Dokumentationsstatus auf. Im Gegensatz zu neueren Bauprojekten, bei denen die Spezifikationen einheitlicher sind, erschwert diese Variabilität die Preisgestaltung und mindert die Zuverlässigkeit direkter Vergleiche.
Die Auswirkungen der Vorschriften für Kurzzeitvermietungen
Die Regulierung hat eine neue, klar definierte Variable in die Immobilienbewertung eingeführt. Der im Rahmen des Gesetzes 5170/2025, das im Oktober 2025 in Kraft trat, geschaffene Rechtsrahmen legt spezifische Bedingungen für den Betrieb von Kurzzeitvermietungen fest. Dies bedeutet, dass die Möglichkeit, Einnahmen aus Kurzzeitvermietungen zu erzielen, von der Einhaltung einer definierten Regulierungsstruktur abhängt und nicht mehr als selbstverständliche Nutzungsmöglichkeit gilt. Infolgedessen sind Nutzungsrechte zu einem expliziteren Faktor bei der Bewertung von Immobilien durch Käufer und Investoren geworden.
Digitale Transformation und Transparenz im Immobilienbereich
Gleichzeitig digitalisiert Griechenland sein Immobilienökosystem in raschem Tempo. Systeme wie myPROPERTY, digitale Katasterdienste und elektronische Bauakten machen Transaktionen schneller und transparenter. Doch diese Übergangsphase hat ihre eigenen Nebenwirkungen. Da immer mehr Daten sichtbar werden und abgeglichen werden, lassen sich Unstimmigkeiten zwischen Steuererklärungen, rechtlichen Unterlagen und der physischen Realität leichter aufdecken. In manchen Fällen vereinfacht dies die Wertermittlung nicht – es verkompliziert sie, zumindest kurzfristig.
Eine Übersicht über die Immobilienbewertung in Griechenland
Unter Berücksichtigung aller Faktoren wird die Immobilienbewertung in Griechenland heute nicht nur von Markttrends bestimmt. Sie spiegelt das Zusammenspiel zwischen Marktdaten, staatlich festgelegten Bewertungssystemen sowie dem rechtlichen und technischen Status jedes einzelnen Objekts wider. Jedes dieser Elemente unterliegt einem Wandel. Die Marktpreise passen sich kontinuierlich an, der Staat verfeinert aktiv die Methoden zur Ermittlung objektiver Werte, und das Gesamtsystem wird durch digitale Instrumente wie das Kataster, myPROPERTY und die elektronische Gebäudeidentität transparenter.
Infolgedessen basiert die Bewertung nicht auf einem einzigen festen Bezugspunkt, sondern darauf, wie konsistent diese Ebenen miteinander übereinstimmen. Aus diesem Grund können verschiedene Fachleute zu unterschiedlichen Schätzungen für dieselbe Immobilie gelangen. Sie arbeiten oft mit denselben zugrunde liegenden Informationen, gewichten jedoch Marktvergleichsobjekte, Rechtssicherheit oder technische Konformität unterschiedlich. In diesem Sinne sind Abweichungen bei der Bewertung nicht unbedingt ein Mangel, sondern spiegeln die Komplexität eines Systems wider, das sich noch im Übergang zu größerer Konsistenz und Transparenz befindet.
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