Wie verhalten sich die Gehälter auf Kreta im Vergleich zum Festland und zu Nordeuropa?
Der Tourismus, der dominierende Arbeitgeber, bezahlt viele Stellen im Kundenservice zum oder nahe dem Mindestlohn, oft saisonal ergänzt durch Unterkunft, Verpflegung und Trinkgelder. Am anderen Ende der Skala verdienen Ärzte, erfahrene Ingenieure, leitende Manager im Gastgewerbe und die wachsende Gruppe von im Ausland beschäftigten Remote-Mitarbeitern ab etwa 2.000 Euro brutto aufwärts, wobei Remote-Mitarbeiter mit niederländischen oder deutschen Verträgen faktisch nordeuropäische Gehälter in die griechischen Lebenshaltungskosten einbringen. Gemessen an diesem nordeuropäischen Maßstab ist die Kluft eklatant: Der griechische Mindestlohn beträgt etwa die Hälfte des belgischen, und die Durchschnittsverdienste verhalten sich ähnlich. Genau deshalb erscheint die Insel Besuchern als preiswert und reichen hier die anderswo verdienten Einkommen so weit.
Wie sieht es mit der Saisonabhängigkeit aus?
Sie ist das bestimmende Merkmal des Arbeitslebens in Tourismusgebieten. Ein großer Teil des Jahreseinkommens in Ferienorten wird zwischen April und Oktober verdient, mit langen Arbeitszeiten im Sommer, gefolgt von mageren Monaten im Winter. Griechische Regelungen zur saisonalen Arbeitslosigkeit überbrücken einen Teil dieser Lücke, und viele Arbeitnehmer üben mehrere Tätigkeiten aus: im Gastgewerbe im Sommer, bei der Olivenernte und im Baugewerbe im Winter. Die Städte bilden die Ausnahme; Heraklion und Chania verfügen über ganzjährige Wirtschaftszweige, die auf Verwaltung, Universität, Gesundheitswesen, Hafen und Landwirtschaft basieren, weshalb sie sich im Februar wie Arbeitsstädte anfühlen, während die Ferienorte geschlossen sind.
Was kostet das Leben mit einem kretischen Gehalt?
Weniger als in Athen und weit weniger als in Amsterdam, mit einer wachsenden Ausnahme. Die täglichen Lebenshaltungskosten sind nach wie vor moderat: eine Mahlzeit in einer Taverna für 15 bis 25 Euro pro Person, preiswerte lokale Produkte, bescheidene Nebenkosten außerhalb der klimatisierten Hochsaison im Sommer. Die Ausnahme bilden die Wohnkosten in den begehrten Städten. Insbesondere in Chania sind die Langzeitmieten in den letzten Jahren stark gestiegen, bedingt durch die touristische Nachfrage und den Markt für Kurzzeitvermietungen, und die bequeme alte Annahme, dass ein lokales Gehalt problemlos für eine Wohnung im Stadtzentrum reicht, trifft nicht mehr zuverlässig zu. Wohnraum in Dörfern und im Landesinneren ist nach wie vor deutlich günstiger, was sowohl griechische als auch ausländische Ganzjahresbewohner in dieselben Gebiete drängt.