Hatten die alten Griechen Sommerferien?

Geschichte & Kultur

12.08.2024

Greek Holidays: Then and Now
Haben die alten Griechen auch Sommerferien gemacht, so wie wir? Hatten sie ein „Ferienhaus“ am Meer, wo sie sich entspannen konnten, bevor sie wieder zur Arbeit mussten? Haben sie wie wir heute in einer Taverne am Mittelmeer gegessen und dabei den Sonnenuntergang genossen?
Ancient Greek Vacation Vs. Today
Reisen im antiken Griechenland: mit dem Pferd | Reisen im modernen Griechenland: mit der Fähre

Gab es im antiken Griechenland Urlaub?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir erst mal klären: Was ist ein Urlaub? Laut der offiziellen Definition ist es eine „spezielle Reise oder Tour zum Zweck der Erholung oder des Tourismus”. Die Grundidee ist, eine Pause von der Arbeit zu machen und die Stadt zu verlassen. In seiner heutigen Form ist der Urlaub ein ziemlich neues Konzept. In der Zeit des antiken Griechenlands machte die durchschnittliche Familie keinen Urlaub. Warum sollte man die Sicherheit seines Stadtstaates verlassen, um in ein gefährliches Gebiet zu reisen und möglicherweise sein Leben zu riskieren? Es gab nicht viel verfügbares Einkommen, und oft kamen andere Faktoren hinzu. Schlechtes Wetter, Piraten und die Möglichkeit eines Schiffbruchs bedeuteten, dass der Tod eine reale Möglichkeit war, wenn man in den Urlaub fahren wollte.
Right: Image by The Karpathos Guide
Rechts: Bild von The Karpathos Guide

Der einzige „sichere” Urlaub: Die Olympischen Spiele der Antike

Die Olympischen Spiele der Antike waren über tausend Jahre lang, von 776 v. Chr. bis 390 n. Chr., eines der wichtigsten Ereignisse in der antiken griechischen Welt. Ursprünglich gab es nur wenige Disziplinen: Laufen, Springen, Werfen, Boxen, Ringen, Pankration und Wagenrennen. Die Olympischen Spiele der Antike waren ein großes Ereignis. Bürger aus dem gesamten griechischen Reich kamen, was manchmal bedeutete, dass sie aus dem heutigen Deutschland, Frankreich, Libyen und Spanien anreisen mussten. Einer der Gründe für die Beliebtheit waren nicht nur die sportlichen Wettkämpfe, sondern auch das Essen. In der Regel stand Fleisch auf dem Speiseplan für die Zuschauer, was für den einfachen griechischen Bürger jener Zeit eine Seltenheit war. Wenn Stadtstaaten im Krieg waren (was oft der Fall war), durften Reisende vorübergehend passieren, um zu den Olympischen Spielen zu gelangen. Für viele Griechen (bis zu 50.000 auf dem Höhepunkt der Beliebtheit der Veranstaltung) lohnte sich die Reise.
Olympics
Wagenrennen und Ringen bei den Olympischen Spielen der Antike

Reisen während des Römischen Reiches

In Griechenland wurden Reisen während des Aufstiegs des Römischen Reiches immer beliebter, weil das Römische Reich so groß war. Man konnte lange Strecken zurücklegen und sich dabei immer sicher fühlen. Auch das Reisen war in der Römerzeit einfacher, weil die Römer ein ausgedehntes Straßennetz gebaut hatten. Zu seiner Blütezeit reichte das Straßennetz von Portugal bis zur Türkei. Trotzdem waren Urlaube in dieser Zeit nicht ganz so wie heute, wahrscheinlich waren die Entfernungen kürzer. Im alten Rom waren Urlaubsreisen eher was für die Reichen. Ancient Greece Vs. Today

Urlaubshäuser im antiken Griechenland

Im August dieses Jahres wurde auf der Insel Euböa in Zentralgriechenland eine bemerkenswerte Entdeckung gemacht. Was wurde gefunden? Man entdeckte ein Bodenmosaik aus einem Haus aus der späten Klassik, aus der Mitte des 4. Jahrhunderts. Der Kieselsteinboden zeigt zwei Satyrn, Figuren aus dem antiken Griechenland. Der eine ist jung und spielt eine Doppelflöte, der andere hat einen Bart, ist älter und tanzte wahrscheinlich zur Musik. Da auf dem Mosaik eine fröhliche Szene dargestellt ist, könnte es sich um ein antikes griechisches Ferienhaus gehandelt haben.
Left: Pebble Mosaic | Right: Design by Zeropixel Architects
Links: Kieselsteinmosaik aus Rhodos | Rechts: Entwurf von Zeropixel Architects

Sommerferien im alten Rom

„Sommerferien” wurden in der Zeit des Römischen Reiches immer beliebter. Im Jahr 2000 fanden Archäologen die Überreste eines Luxushotels in Pompeji. Es war eigentlich das Äquivalent eines modernen Fünf-Sterne-Hotels mit angeschlossenem Spa-Komplex. Zu den beliebtesten Ausflugszielen römischer „Touristen” gehörten der Leuchtturm von Alexandria, die Pyramiden von Gizeh und das Grab Alexanders des Großen, als diese noch Teil des Römischen Reiches waren. Der letzte dokumentierte Besuch der Pyramiden von Gizeh fand 215 n. Chr. statt, als ein römischer Tourist eine Inschrift auf einer der Pyramiden hinterließ: „Ich habe sie besucht und mir hat nichts außer dem Sarkophag gefallen!” Die antike Stadt Baia war auch ein beliebter Ort für Luxusurlaube. Sie lag 30 Kilometer von Neapel entfernt und war als das „Las Vegas“ des Römischen Reiches bekannt. Die Reichen und Mächtigen kamen hierher, um das Wochenende zu verbringen.
Tanzen in Griechenland: Das antike Griechenland vs. heute

Sommerurlaub heute

Die modernen Sommerferien sehen wahrscheinlich ganz anders aus als im antiken Griechenland. Unsere Reisen sind viel weniger gefährlich. Außerdem bedeuteten der Ausbau der Eisenbahn und die Einführung des Flugverkehrs, dass im 20. Jahrhundert der Durchschnittsbürger viel öfter verreisen konnte. Gleichzeitig ist es heute üblich, eine Fünf-Tage-Woche zu haben, anstatt der historischen Sechs-Tage-Woche. Die Fünf-Tage-Woche wurde zuerst in den USA von Henry Ford eingeführt, um die Produktivität zu steigern, und andere Länder folgten bald. So hat der durchschnittliche Arbeitnehmer heute zwei freie Tage am Wochenende, was Tagesausflüge und andere Exkursionen möglich macht. Die schwierigste Entscheidung bei der Planung der Sommerferien ist heute: „Wohin sollen wir als Nächstes reisen?“ Summer Vacation Then Vs. Now

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