Kreta: Namen, die fast wie erfunden klingen
Auf Kreta fallen einem manche Ortsnamen allein schon deshalb ins Auge, weil sie so unerwartet klingen. Sie sind nicht immer beschreibend, aber einprägsam – geprägt im Laufe der Zeit von verschiedenen Sprachen, Dialekten und Gewohnheiten, die ihre Spuren hinterlassen haben.
Zou, Lasithi
Zou ist ein winziges Dorf in der Nähe von Sitia mit nur wenigen Dutzend Einwohnern, das sich auf einer geringen Höhe über der umgebenden Landschaft befindet. Der Name ist so kurz, dass er kaum als Wort wahrgenommen wird. Tatsächlich stammt er wahrscheinlich aus älteren sprachlichen Schichten: Eine Theorie verbindet ihn mit einem arabischen Wort für Wasser, während eine andere ihn auf eine lokale Quelle zurückführt, die einst das Gebiet prägte. Dieser Zusammenhang wird deutlicher, wenn man erfährt, dass Wasser aus Zou später zur Versorgung von Sitia hergeleitet wurde. Trotz seiner Einfachheit birgt der Name eine lange Geschichte: Venezianische Aufzeichnungen führen ihn in verschiedenen Formen auf, und an der Stätte selbst befindet sich ein minoisches Bauernhaus mit Dutzenden von Räumen. Was wie eine vereinzelte Silbe klingt, erweist sich als verbunden mit einer der ältesten bewohnten Landschaften der Insel.
Koutouloufari, Heraklion
Koutouloufari liegt direkt oberhalb von Hersonissos an den unteren Hängen eines Hügels mit Blick auf die Nordküste. Der Name ist das Gegenteil von Zou – lang, vielschichtig und etwas schwerfällig. Er taucht in Aufzeichnungen aus der venezianischen Zeit in verschiedenen Varianten auf, was darauf hindeutet, wie sich sein Klang entwickelt hat. Heute vereint das Dorf zwei Identitäten: Es ist nach wie vor mit der Landwirtschaft verbunden, mit Gewächshausanbau und Blumenproduktion, hat sich aber auch dem Tourismus zugewandt, mit Restaurants, kleinen Hotels und stetigem Besucherstrom. Der Name selbst leistet dabei einen Großteil der Arbeit. Er bleibt ohne Erklärung im Gedächtnis, ist die Art von Wort, die man einmal wiederholt, nur um es richtig auszusprechen, und dann noch einmal, weil es schwer zu vergessen ist.
Rodakino (Pfirsich), Rethymno
Rodakino liest sich sofort als „Pfirsich“, was ihm eine weichere, vertrautere Note verleiht als den meisten Ortsnamen. Es ist die Art von Wort, die man sofort erkennt, auch wenn man nicht erwartet, es auf einer Karte zu sehen. Im Süden Kretas, wo kleine Siedlungen und Ackerbau noch immer die Landschaft prägen, wirkt der Name nicht fehl am Platz; er fügt sich still ein. Ob er nun von lokalen Erzeugnissen, einer Farbe oder etwas Spezifischerem stammt – er sticht hervor, ohne es zu versuchen.